IT- Forensik: Fallszenarien

Nachfolgend einige Beispiele aus der Praxis, die bewusst machen, wie gegenwärtig die Gefahr ist und wie notwendig Prophylaxe zum Schutz von sensiblen Daten ist.

Mitnahme von Angebotsunterlagen

Ein Ex-​Mit­ar­bei­ter ver­klagt sei­ne al­te Fir­ma auf aus­ste­hen­de Pro­vi­sio­nen für ver­mit­tel­te Ge­schäf­te. Bei der Be­ar­bei­tung wur­de ent­deckt, dass er 6 gro­ße fer­tig aus­ge­ar­bei­te­te un­ter­schrifts­rei­fe An­ge­bo­te an Kun­den nicht an die Fir­ma ver­mit­tel­te, son­dern an sei­nen neu­en Ar­beit­ge­ber un­ter Ver­wen­dung der kom­plet­ten An­ge­bots­un­ter­la­gen: Auf­trags­vo­lu­men 260.000 €

Mitnahme von Abonnenten

Ein Bör­sen­brief-​Ver­lag trennt sich von ei­nem Chef­re­dak­teur sei­nes Spe­zi­al­diens­tes, der nur per News­let­ter an Abon­nen­ten ver­trie­ben wird. Der Ex Chef nimmt die Abo-​Da­tei vor sei­nem Aus­schei­den mit und wirbt für die Neu­aus­ga­be sei­nes News­let­ters im Ei­gen-​Ver­lag zum Ein­stiegs­preis für al­te Abon­nen­ten zum Preis von 25%. Eintausend der 2500 Abon­nen­ten wech­seln. Scha­den ca. € 250.000 pro Jahr.

Kundendaten als „Mitbringsel“

Ein Mit­ar­bei­ter kün­digt und geht zur Kon­kur­renz. Von dort wer­den sys­te­ma­tisch Kun­den an­ge­schrie­ben und ab­ge­wor­ben. Nach Straf­an­zei­ge ge­gen die Ver­däch­ti­gen wer­den bei dem ehe­ma­li­gen Mit­ar­bei­ter in sei­ner Pri­vat­woh­nung von der Kri­po nicht nur die Da­tei­en mit den Kun­den­da­ten ge­fun­den, son­dern die kom­plet­ten Da­ten der Fir­ma, Per­so­nal, Lohn, Fi­bu, Aus­wer­tung, Kal­ku­la­tio­nen usw. (400 Gi­ga­Byte).

Die Rache des Entwicklers

Ei­ne Rou­ti­ne­kon­trol­le der File­ser­ver der Ent­wick­lungs­ab­tei­lung er­gibt für den IT-​Ver­ant­wort­li­chen auf­fäl­li­ge Ak­tio­nen. Es stellt sich her­aus, dass der Sys­te­madmi­nis­tra­tor zu spät über das Aus­schei­den ei­nes Mit­ar­bei­ters aus die­ser Ab­tei­lung in­for­miert wur­de. Der Ex-Mit­ar­bei­ter hat­te mit sei­nem Pass­wort noch 10 Ta­ge un­ge­hin­der­ten Zu­gang zu „sei­nen Da­ten“. Ei­ne gan­ze Par­ti­ti­on auf dem File­ser­ver ist ge­löscht.

Bilder gegen Geld

We­ni­ge Wo­chen vor dem Ter­min in Genf er­fährt ei­ne Fir­ma an­onym, dass ein na­ment­lich ge­nann­ter Mit­ar­bei­ter der Ab­tei­lung „De­sign“ ge­hei­me Ab­bil­dun­gen des neu­en Sport­wa­gens ei­nem un­be­kann­ten Fach­jour­na­lis­ten der Mo­tor­pres­se ge­gen Geld an­ge­bo­ten ha­ben soll. Der „Deal“ soll dem­nächst über die Büh­ne ge­hen. An­geb­lich for­dert der Mit­ar­bei­ter für die Bil­der € 5.000.

Miles & More

Die Flug­ge­sell­schaft L. hegt ge­gen die Mit­ar­bei­te­rin S. im Check-​In Be­reich des Flug­ha­fens F., in dem ca. 400 Mit­ar­bei­ter ar­bei­ten, den Ver­dacht, dass die­se un­be­rech­tigt sog. Nach­kre­di­tie­run­gen auf das Bo­nus-​Mei­len­kon­to ih­res Ehe­manns vor­ge­nom­men hat. Ins­ge­samt geht es um 67.000 Bo­nus-​Mei­len.

Der Verdacht gegen Betriebsrat M.

Der Vor­stand F. bit­tet den Sys-​Ad­min in­for­mell ei­nem Ver­dacht nach zu ge­hen. Es heißt, dass das Mit­glied des Be­triebs­ra­tes M. re­gel­mä­ßig in­ter­ne Pro­to­kol­le von Vor­stands­sit­zun­gen per Mail ei­nem Jour­na­lis­ten zu­kom­men lässt.

Sexuelle Belästigungen am Arbeitsplatz

Je­den Mor­gen er­hält ei­ne Mit­ar­bei­tern ei­ner Bank ent­we­der per Mail Tex­te oder auch Bil­der mit ein­deu­ti­gem In­halt. Zum Teil kom­men die Be­läs­ti­gun­gen als Sound-​Da­tei auf den Rech­ner, aber ge­tarnt, so das Frau J. die­se Da­tei­en zum Teil in Ge­gen­wart von Kun­den oder auch von Kol­le­gen ge­öff­net hat.

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